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Wenn die hochkalte Wüste sich, für einen Moment, in Farbe verwandelt Von Sidonie Morel Die Zeit der kleinen Wunder Die ersten Blütenblätter nach dem langen Griff des Winters In Ladakh kommt der Frühling nicht als ein sanftes Nachgeben. Er kommt als Erlaubnis. Der Schnee lockert seinen Griff in kleinen Verhandlungen: ein dunklerer Fleck Erde am Fuß einer Steinmauer; ein Faden Schmelzwasser, der dort läuft, wo gestern nur Kieselstaub war; ein Hang, der aufhört zu glänzen und wieder zu wirken beginnt wie Boden. Die Luft hat noch ihre klare Schärfe. Morgens gefriert Wasser in flachen Schalen. Bis zum Mittag läuft es in schmalen, ungeduldigen Linien, und am Abend wird es langsamer, […]
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Eine Straße voller kleiner Märkte, hoher Pässe und gemeißelter Steine Von Sidonie Morel Das Erste, was dir auf der Straße von Khalsi nach Kargil auffällt, ist, wie schnell der Tag zu einer Reihe von Aufgaben wird: Tee finden, bevor die Kälte sich in die Finger setzt; entscheiden, wo man anhalten kann, ohne die Verkehrsspur zu blockieren; den Rhythmus der Hupen in blinden Kurven lernen; auf Lastwagen achten, die in einer Kehre weit hinausdriften, als würde der Berg selbst sie schieben. Das ist keine Straße für Reden. Das ist eine Straße für Details. Zwischen Pässen und Gebetssteinen ist ein guter Titel, aber er beschreibt auch sehr genau die Kargil-Seite der Srinagar–Leh-Highwaystrecke, […]
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Ein Tal am Straßenrand, das sich weigert, ein Etikett zu sein Von Sidonie Morel Där vor der Geschichte Die erste Biegung über dem Fluss Wenn man sich Där und Hanu von Leh aus nähert, bleibt die Straße zunächst dicht am Indus und beginnt dann zu zögern – sie dreht, verengt sich, hebt sich ein wenig über das Wasser. Der Fluss ist keiner, den man einmal ansieht und dann vergisst. Er setzt die Luft in Bewegung. Er gibt dem Staub eine kühlere Kante. Er hält Pappeln und Weiden in einem beständigen Gespräch, das man sogar durch ein Autofenster hören kann. Die Dörfer selbst werden nicht mit Zeremonie angekündigt. Ein paar Häuser […]
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Wenn der Pass öffnet, beginnt Nubra Von Sidonie Morel Leh im Morgengrauen, wenn Motoren wie Gebetsmühlen klingen Kaltes Metall, wärmende Hände und der erste Schluck vor dem Aufstieg In Leh beginnt der Morgen an den Rändern: ein Türverschluss, ein Kesseldeckel, ein Hund, der den Kopf hebt und entscheidet, ob der Tag ein Bellen wert ist. Im Winter fühlt es sich schärfer an, im Sommer dünner, aber so oder so kommt das erste Licht leise, verwandelt den Staub in der Luft in etwas Sichtbares. Ein Fahrer prüft ohne Zeremonie die Reifen, die Handfläche auf dem Gummi, als würde er Temperatur lesen. Ein zweites Auto läuft ein paar Meter weiter im Standgas. […]
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Eine Straße zwischen Atem und Blau Von Sidonie Morel Leh, bevor der Motor startet Morgendliches Metall und die ersten praktischen Entscheidungen In Leh ist der Aufbruch selten dramatisch. Meist ist er eine kleine Abfolge von Kontrollen, ausgeführt in einem kalten Innenhof: der Kofferraum wird angehoben, das Reserverad kurz geprüft, eine Wasserflasche in der Hand gewogen, als wüsste der Körper schon, dass er sie brauchen wird. Das Auto ist oft ein weißes Taxi oder ein Innova, der diese Strecke schon zu oft gefahren ist, um so zu tun, als wäre sie neu. Der Fahrer bewegt sich leise, ohne Zeremonie. Deine Tasche wird so verstaut, dass sie auf gebrochenem Asphalt nicht verrutscht. […]
India Ladakh Trekking
Das Plateau, das dich lehrt zuzuhören Von Sidonie Morel Leh, wo der Körper für dünne Luft probt Ein langsames Ankommen in der Höhe In Leh können sich die einfachsten Erledigungen wie eine kleine Verhandlung anfühlen. Du überquerst einen Hof, steigst ein paar Stufen hinauf und merkst, dass du ohne Absicht den Atem der Geschwindigkeit vorziehst. Die Menschen kommen mit ordentlichen Plänen und festen Meinungen über Routen hierher; die ersten Tage schleifen diese Kanten zuverlässig ab. Die Luft ist trocken genug, dass sich bis zum Abend eine feine Kruste an der Innenseite der Nase bildet. Morgens schmeckt das Wasser im Glas schwach nach Mineralien, als wäre es zusammen mit Steinen gelagert […]
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Der Tag, an dem der Fluss unsere Namen mitnahm Von Sidonie Morel Leh, bevor das Wasser kommt Trockene Luft, langsame Atemzüge und die erste stille Regel: akklimatisieren oder zahlen Leh bringt dir seine Bedingungen bei, ohne die Stimme zu heben. Am ersten Morgen kommt das Licht klar und hart, als wäre es durch Stein gefiltert. Die Luft fühlt sich dünn an, nicht auf dramatische, sondern auf praktische Weise: Du stehst auf, um einen Pullover überzuziehen, und bemerkst die kleine Pause, um die deine Lungen bitten. In den Straßen nahe dem Markt fädeln sich Motorroller durch Staub; Ladenbesitzer heben ihre Rollläden; irgendwo hinter einer niedrigen Mauer beginnt ein Wasserkessel seinen Tag. […]
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Wenn die Nacht zu einem Ort wird, den man betreten kann Von Sidonie Morel Leh nach Einbruch der Dunkelheit Straßenlampen-Halos und der erste kleine Verlust In Leh beginnt der Abend mit ganz gewöhnlichen Verhandlungen: ein halb heruntergelassener Ladenrolladen, ein Motorroller, der in der Kälte hustet, der letzte Apfelverkäufer, der angeschlagenes Obst in einen Sack packt, der über Nacht nicht weicher werden wird. Das Licht kippt hier schnell, nicht dramatisch, sondern mit einer praktischen Hast, als hätte der Tag noch andere Termine. Von der Hauptstraße aus siehst du immer noch die Kontur der Berge – dunkle, matte Hänge, die ihre Form behalten, lange nachdem die Einzelheiten verschwunden sind. Darüber erscheinen die […]
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Wenn das Tal sich weigert zu performen Von Sidonie Morel Ein Flug in dünnes Licht Leh, im Tempo des Körpers Im Winter empfängt dich Leh ohne Zeremonie. Der Flughafen ist effizient, die Straße in die Stadt ist ein Streifen Asphalt, der durch blasses Gelände geschnitten ist, und die ersten Fakten kommen an, bevor irgendeine Romantik kann: Höhe, Trockenheit, Kälte. Eine Autotür fällt mit einem kurzen, harten Geräusch ins Schloss. Atem zeigt sich sofort als etwas, das man sehen kann. In der Hotellobby hat die Heizung diesen schwachen Geruch von heißem Staub, und der Teppich fühlt sich nach dem Körnigen draußen zu weich an. Akklimatisierung ist hier kein Vorschlag; sie ist […]
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Wo Winterfußspuren keine Spuren hinterlassen Von Sidonie Morel Ankunft in Leh, wenn die Luft wie neu geschärft wirkt Der erste Atemzug in der Höhe Die Flughafentüren öffnen sich zu einer Kälte, die dich nicht hetzt, aber Bedingungen setzt. In den ersten Minuten bemerkst du, wie schnell Feuchtigkeit den Mund verlässt. Ein Satz fühlt sich länger an. Innen sticht die Nase. In Leh im Januar verlangen selbst die einfachsten Handgriffe – eine Tasche hochziehen, eine kleine Eisstelle beim Taxistand überqueren – einen Bruchteil mehr Aufmerksamkeit als anderswo. Auf der Fahrt in die Stadt sind die üblichen Ablenkungen gedämpft: weniger Hupen in Spiralen, weniger Gruppen von Motorrädern, weniger schnelle Umwege. Die Straße […]