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Erste Schritte in den Himalaya: 10 anfängerfreundliche Trekkingtouren in Ladakh

Wo die Hochwüste dich lehrt, langsam zu gehen

Von Sidonie Morel

Ein anderer Anfang

Leh liegt auf 3.500 Metern, und die erste Lektion kommt, noch bevor irgendein Pfad beginnt. Die Luft ist trocken, fast körnig. Wäsche, die man draußen hängen lässt, wird in Sonne und Schatten gleichermaßen steif. Ein Wasserkessel braucht länger, bis er kocht. Du steigst eine einzige Treppe im Gästehaus hinauf und merkst, dass dein Atem kürzer geworden ist. Für viele Reisende aus Europa ist das die eigentliche Schwelle: nicht ein Gebirgspass, nicht ein Gipfelfoto, sondern die stille Anpassung an Höhe und Weite.

Wenn Menschen nach anfängerfreundlichen Treks in Ladakh suchen, stellen sie sich oft Schwierigkeit vor, gemessen in Steigung und Kilometern. In dieser Region ist der Maßstab ein anderer. Die Wege sind selten technisch. Es gibt keine Fixseile, im Sommer braucht es keine Steigeisen. Was einen ersten Trek hier ausmacht, ist Geduld – wie sanft du dem Körper erlaubst, Höhe, Trockenheit und die langen Distanzen zwischen den Dörfern zu begreifen.

Akklimatisation ist kein dramatisches Ritual. Es ist ein Tag, an dem man langsam durch Lehs Altstadtviertel geht, wo weiß gekalkte Häuser sich zueinander neigen und Gebetsfahnen im Wind ausbleichen. Es bedeutet, mehr Wasser zu trinken, als du glaubst zu brauchen. Es bedeutet, dem Impuls zu widerstehen, zu schnell zu viel zu wollen. Wer so beginnt, stellt oft fest, dass die sogenannten „leichten Treks in Ladakh“ weniger mit Leistung zu tun haben als mit Rhythmus.

Der sanfte Einstieg: Sham Valley und die Kunst des Baby Treks

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Zwischen Likir und Temisgam: Dörfer vor dem Schwindel

Der Sham Valley Trek wird oft als „Baby Trek“ vorgestellt – eine Formulierung, die abwertend klingen kann, bis du im Morgengrauen in Likir stehst und beobachtest, wie das Licht über Gerstenfelder wandert. Der Weg von Likir nach Yangthang und weiter nach Hemis Shukpachan und Temisgam entfaltet sich ohne abruptes Drama. Die Tagesetappen sind moderat – vier bis fünf Stunden zu Fuß – über Pässe, die selten höher als 3.800 Meter liegen. Für Ersttrekker im Himalaya macht genau dieser Unterschied viel aus.

Das Gelände ist offen und gut zu lesen. Pfade sind ausgetreten von Hirten und Schulkindern. Weiße Stupas markieren die Abzweigungen. Aprikosenbäume lehnen sich über Steinmauern. In Hemis Shukpachan ersetzen Homestays die Zelte. Du betrittst einen Hof und man zeigt dir ein kleines Zimmer, in dem dicke Decken in geometrischen Stapeln gefaltet liegen. In der Küche riecht es nach Kreuzkümmel und Holzrauch. Das Abendessen ist schlicht: Linsen, Reis, vielleicht kurz gebratene Blätter aus dem Familiengarten. Solche Details verankern das Erlebnis verlässlicher als jede Höhenangabe.

Für europäische Wanderer, die an alpine Hütten gewöhnt sind, bietet Sham Vertrautheit ohne Nachahmung. Es gibt keine Seilbahnen, keine markierten Pisten. Stattdessen gibt es Gespräche in niedrigen Küchen und die stille Arbeit der Bewässerungskanäle, die Gletscherwasser in die Felder leiten. Die Route ist nah genug an Leh, dass eine Evakuierung möglich ist, falls nötig – und doch weit genug, um sich wie ein Aufbruch anzufühlen. Sie gehört zu den besten Treks für Anfänger in Ladakh, nicht weil sie mühelos ist, sondern weil sie das Plateau ohne Einschüchterung vorstellt.

Den Rhythmus des Plateaus lernen

Am zweiten oder dritten Tag verschiebt sich etwas. Der Körper beginnt, Distanzen anders zu messen. Du bemerkst die Textur des Bodens unter den Füßen – feinen Staub auf offenen Passagen, gerundete Steine an Hängen, festgestampfte Erde in Dorfnähe. Sonnenbrand wird zu einer praktischen Sorge. Ebenso Lippenbalsam. Das sind keine romantischen Details, aber sie sind real.

Hydration, Tempo und frühe Starts sind kleine Disziplinen, die hier Erfolg definieren. Guides schlagen oft vor, aufzubrechen, bevor die Sonne scharf wird. Gegen späten Vormittag wird das Licht metallisch, Farben flachen ab. Das Gehen wird langsamer. Du beginnst zu verstehen, dass „anfängerfreundliches Trekking in Ladakh“ weniger mit Leichtigkeit zu tun hat als mit Respekt vor den Bedingungen.

Nah an Leh, nah am Selbstvertrauen: Spituk nach Matho und Stok La ohne Drama

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Von Klosterstufen zum Gebirgspass

Direkt hinter Leh bietet die Spituk–Matho-Route einen weiteren zugänglichen Einstieg. Sie beginnt nahe dem Kloster Spituk, wo morgendliche Gesänge über das Industal tragen. Der Pfad steigt allmählich in Landschaften des Hemis-Nationalparks an – weite, ockerfarbene Hänge mit spärlicher Vegetation und gelegentlich Blauschafen, die sich auf fernen Graten bewegen.

Der Pass auf dieser Route verlangt keine technische Fähigkeit. Er verlangt Beständigkeit. Der Aufstieg ist durchgehend, aber machbar. Oben ist die Aussicht weit statt schwindelerregend: Falten der Erde, die sich Richtung Matho ziehen. Beim Abstieg nach Matho verengt sich der Weg kurz, bevor er nahe der Felder wieder breiter wird. Du überquerst kleine Holzbrücken und Bewässerungsrinnen. Der Kontrast zwischen Klosterstille und Dorfleben ist unmittelbar.

Für Reisende mit wenig Zeit erfüllen diese kurzen Treks bei Leh einen doppelten Zweck. Sie unterstützen die Akklimatisation und bauen Selbstvertrauen auf. Ein erster Himalaya-Pass – ohne Eis, ohne ausgesetzte Stellen – kann Erwartungen neu kalibrieren. Er zeigt, dass Hochgebirgstrekking in Indien nicht nur Bergsteigern vorbehalten ist.

Ein erster Pass, ein erster Blick

Stok La, oft mit Spituk kombiniert, gilt als Sprungbrett. Der Weg steigt durch staubige Rinnen und Geröll an, bis zum Sattel. Gebetsfahnen, verwittert und ausgefranst, markieren den Kamm. An klaren Tagen zeigt das Stok-Massiv scharfe Grate, doch der Pass selbst bleibt zugänglich.

Es gibt kein Gipfelbuch, keine zeremonielle Tafel. Wanderer halten an, trinken Wasser, richten Rucksäcke. Diese Schlichtheit ist lehrreich. Für alle, die längere Routen wie den Markha-Valley-Trek erwägen, kann Stok La als Probe dienen. Er lehrt, den Atem bei langen Anstiegen zu managen und beim Abstieg auf losem Untergrund aufmerksam zu bleiben.

Klöster und Moonland: Lamayuru-Routen für neugierige Wanderer

Lamayuru nach Alchi: Der alte Klosterpfad

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Lamayuru erscheint fast plötzlich, sein Kloster thront über erodierten Formationen, die oft als „Moonland“ beschrieben werden. Der Boden ist hier hell und brüchig, über Jahrhunderte vom Wind in Rücken und Rinnen geformt. Einen Trek von diesem Punkt aus zu beginnen, fühlt sich an, als träte man in ein geologisches Archiv.

Die Route Lamayuru–Alchi führt durch kleine Siedlungen und über moderate Pässe wie den Tar La. Die Tage sind länger als im Sham Valley, und das Gelände abwechslungsreicher. Du kannst Hirtenlager treffen, deren schwarze Zelte mit Steinen beschwert sind. Wasserquellen sind seltener; Flaschen an klaren Bächen nachzufüllen wird zu einer bewussten Routine.

In Alchi bieten die alten Wandmalereien des Klosters einen stillen Gegenpol zum offenen Weg. Europäische Besucher erkennen darin oft stilistische Echos zentralasiatischer Kunst – eine Erinnerung an historische Handelswege. Als moderater Trek in Ladakh eignet sich diese Route für Anfänger, die sich bereits an die Höhe gewöhnt haben und tiefer eintauchen wollen.

Lamayuru nach Chilling: Wo der Pfad sich verengt und wieder öffnet

Die Lamayuru–Chilling-Variante führt in Richtung Zanskar-Fluss. Canyonwände steigen höher, werfen am späten Nachmittag Schatten. Fußpfade verengen sich kurz, bevor sie sich auf Terrassen bei den Dörfern wieder weiten. In Chilling ist Metallarbeit bis heute ein lokales Handwerk; das Geräusch von Hammer auf Metall trägt über die Höfe.

Diese Route wird oft als leicht bis moderat beschrieben. Das ist zutreffend, wenn man sie vorbereitet angeht. Die Passhöhen bleiben machbar, doch das Gefühl von Abgeschiedenheit wächst. Für alle, die nach anfängerfreundlichen Treks in Ladakh suchen, ist das häufig der Punkt, an dem das Wort „Anfänger“ relativ wird. Mit ausreichender Akklimatisation und guter Führung bleibt die Route dennoch zugänglich.

Markha Valley: Wenn ein Anfänger-Trek zu einer stillen Prüfung wird

Flüsse, Brücken und die Geduld der Distanz

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Der Markha-Valley-Trek wird häufig als nicht technisch und damit für Ersttrekker geeignet bezeichnet. Das stimmt, ist aber unvollständig. Die Route erstreckt sich über mehrere Tage und überquert Holzbrücken, seichte Flüsse und hohe Pässe wie den Kongmaru La. Die Höhe nimmt allmählich, aber stetig zu.

Dörfer wie Umlung und Hankar gliedern die Reise. Kinder rennen auf dem Pfad voraus. Esel tragen Vorräte zwischen den Siedlungen. Homestays bieten dicke Matratzen und Schalen mit Thukpa. Die Landschaft wechselt von weiten Ebenen zu engeren Schluchten, in denen Felswände sich um den Weg schließen.

Flussquerungen verlangen Aufmerksamkeit statt Mut. Das Wasser kann im Frühsommer eisig sein, nach Regen stärker. Guides raten oft, früh am Tag zu queren, wenn der Pegel niedriger ist. Die Praktikabilität zählt: feste Sandalen, trockene Socken, Geduld. Im Verlauf des Treks begreift man, dass Ausdauer im Himalaya kumulativ ist. Die Herausforderung liegt in der Wiederholung – tägliche Aufstiege, tägliche Abstiege – und nicht in einzelnen Hindernissen.

Was der Körper im Markha-Wind lernt

Am vierten oder fünften Tag stellt sich Routine ein. Du wachst vor Sonnenaufgang auf. Tee kommt in Metallbechern. Rucksäcke fühlen sich leichter an als am ersten Morgen, obwohl nichts herausgenommen wurde; es ist das Tragen, das sich verändert hat. Der Markha-Valley-Trek für Anfänger ist machbar, gerade weil er keine Spezialfähigkeiten verlangt. Stattdessen verlangt er Konsequenz.

Blasen werden mit Tape versorgt. Sonnencreme wird sorgfältig in Schichten aufgetragen. Gespräche mit Mitwanderern werden leiser, weniger performativ. Am Ende weitet sich das Tal erneut, und in der Ferne erscheinen Schneefelder. Hier erkennen viele Erstbesucher, dass sie eine Schwelle überschritten haben – nicht in Richtung Meisterschaft, sondern in Richtung Vertrautheit.

Nubra und die alten Handelswege

Über den Lasermo La Richtung Hunder

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Der Nubra-Valley-Trek, über den Lasermo La Richtung Hunder, führt weiter weg von Leh und tiefer in hochalpines Gelände. Der Pass steigt über 5.000 Meter und liegt damit über den allereinfachsten Routen. Doch im Sommer bleibt er nicht technisch und ist für gut akklimatisierte Anfänger zugänglich, wenn erfahrene Guides dabei sind.

Der Zustieg ist allmählich und führt durch Phyang und kleinere Siedlungen, in denen Bewässerungskanäle schmale Linien durch die trockene Erde schneiden. Mit zunehmender Höhe wird die Vegetation spärlicher. Selbst im Juli können nahe dem Pass noch Schneeflecken liegen. Der Abstieg nach Nubra zeigt eine andere Landschaft: Sanddünen bei Hunder, in der Ferne ruhende Trampeltiere, verflochtene Flussläufe, die das Nachmittagslicht spiegeln.

Das ist kein kurzer Akklimatisationsspaziergang mehr. Es ist ein mehrtägiges Vorhaben. Doch für europäische Wanderer, die auf Sham oder Spituk-Routen Selbstvertrauen aufgebaut haben, bietet Nubra Kontinuität. Die Handelswege, die Ladakh einst mit Zentralasien verbanden, sind in Fragmenten noch sichtbar: Steinhaufen, alte Fußpfade, Geschichten, die in Dorfgesprächen weitergetragen werden.

Den richtigen ersten Schritt wählen

Distanz, Höhe und Saison

Nicht alle anfängerfreundlichen Treks in Ladakh sind gleich. Die Dauer reicht von drei bis acht Tagen. Die maximale Höhe variiert deutlich. Die beste Trekkingzeit in Ladakh liegt typischerweise zwischen Juni und September, wenn die hohen Pässe schneefrei sind und Homestays ihre Türen öffnen.

Für alle, die frisch aus Europa anreisen, hängt die Entscheidung oft von Zeit und Vorbereitung ab. Eine drei- oder viertägige Route wie Sham oder Spituk–Matho lässt Raum, Höhe zu verstehen. Längere Itineraries wie Markha oder Nubra erfordern einen bewusst geplanten Akklimatisationsfahrplan in Leh – mindestens zwei, besser drei Tage vor dem Start.

Lokale Guides und Träger sind kein Luxus; sie sind Teil der Trekkingkultur der Region. Ihr Wissen über Wasserstellen, Wetterwechsel und Dorfnetzwerke reduziert Unsicherheit. Die praktische Struktur – organisierte Homestays, Lunchpakete, Transport zu den Startpunkten – ermöglicht es Besuchern, sich auf das Gehen zu konzentrieren statt auf Logistik.

Am letzten Abend eines ersten Treks, ob in Temisgam oder Hankar oder Hunder, gibt es meist einen Hof, einen niedrigen Tisch und einen Himmel, der nach Sonnenuntergang rasch dunkel wird. Die Luft kühlt ohne Vorwarnung ab. Jemand bringt Tee. Stiefel werden an der Tür abgestellt. Die Berge bleiben unverändert, aber der Wanderer hat sein Tempo verändert. Das, mehr als jede Statistik, definiert einen ersten Schritt in den Himalaya.

Sidonie Morel ist die erzählerische Stimme hinter Life on the Planet Ladakh,
einem Storytelling-Kollektiv, das die Stille, Kultur und Widerstandskraft des Himalaya-Lebens erkundet.